Donnerstag, 18. September 2014

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Alice und ihre Welt - Kolumne von Gesina Stärz

Schnecken, Austern und Sauerkraut – beim Verzehr bitte lächeln …

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Frische Austern - wirklich lecker? Quelle: Wikipedia, Garitzko.

Rhein-Neckar, 16. Januar 2012. Gewisse Delikatessen verspeisen viele Menschen vor allem, um höflich zu sein und den Gastgeber nicht zu verärgern. Das erfuhr Gesina Stärz neulich auf einer Party.

Die Gäste erzählten sich ihre Erlebnisse mit Austern, Schnecken, Kaviar und Hummer. Eine Frau erzählt:

„Austern musste ich einmal in Italien essen. Die kaufte unsere Gastgeberin immer in der Früh frisch auf dem Markt. Einmal nahm sie uns mit und wir mussten vor Ort jeder drei Stück kosten.“

Weil sie höflich sein wollte, hätte sie die Austern sehr gelobt. Zum Abendessen habe es dann für jeden zwölf Austern gegeben!

Diese weichen Gebilde zu verspeisen muss für die Frau eine große Qual gewesen sein. Mir schien, als würgte sie beim Erzählen und ihr Gesicht überzog sich mit so einem eigenartigen grünen Schimmer.

Am nächsten Tag habe die Gastgeberin die Austern zum Glück gratiniert, erzählte die Frau weiter. Die Kruste über den schleimigen Gebilden habe dann das Essen wesentlich erleichtert. Vielleicht erinnerte sie das an den guten bayerischen Schweinsbraten.

Zerlassene Schneckenbutter

Mein Erlebnis mit Meeresfrüchten erzählte ich lieber nicht. Der Abend in einem französischen Restaurant in der Pfalz endete mit einer Lebensmittelvergiftung. Der vierte Gang der Menüfolge bestand nämlich aus Jakobsmuscheln auf Sauerkraut.

Während ich noch an die Schwächeanfälle dachte, die mich eine Woche nach dem vierten Gang „Jakobsmuscheln auf Sauerkraut“ peinigten, erzählte ein anderer Partygast, dass er ziemlich Probleme mit Schnecken habe. Man könne die Schnecken nur essen, wenn sie in Kräuterbutter gedünstet werden. Ja, man esse die Schnecken eigentlich nur, wegen der zerlassenen Kräuterbutter, die dann mit frischem Weißbrot sehr gut schmecke.

Toter Hummer

Nun fehlten nur noch Geschichten mit Kaviar und Hummer. Die Klassiker sozusagen. Fischeier mag eigentlich keiner. Und an die schreckliche Art, den Hummer zu töten, darf man gar nicht denken und überhaupt sollte man ihn deshalb auch gar nicht essen. Richtig. Wir sollten vieles gar nicht essen aus vielen sehr gewichtigen Gründen.

Vielleicht sollte man analog zum Begriff „Politische Korrektheit“, der den besonders sensiblen Umgang mit der Sprache bezeichnet, um Minderheiten nicht allein schon durch die verwendeten Worte zu diskriminieren, den Begriff der ökologischen Korrektheit für unser Essverhalten einführen. Immerhin könnten wir uns bei gewissen Delikatessen nicht einmal darauf berufen, dass sie gar so unwiderstehlich munden.

Auf der Party gab es übrigens unter anderem Schweinsbraten nach italienischer Art in Rosmarin und Zwiebeln eingelegt und im Holzbackofen gebacken und zum Dessert wurde Stachelbeerkuchen mit Sahne- und Baiserschicht gereicht.

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Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (47) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.

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